Wege in den Nebel

Wege in den Nebel

Inmitten der Zwietracht,
inmitten von Leid und Hass.
Am Anfang der Sorgen
beginnt ein Licht.

Inmitten des Streits,
inmitten der letzten Worte.
Am Anfang des Sterbens
beginnt eine Hoffnung.

Wo alles scheinbar endet,
erfüllen sich alle Gegensätze.
Und Friede …
Liebe ist.

*

Ist es denn wirklich schon wieder November?

Rückkehr

 

Rückkehr

Eine erschöpfte Träne der Schattenblume deiner Gedanken
bittert meine schlaflose Nacht.
Eine Gedankenblume meiner erschöpften Nacht
tränt den Schatten deiner schlaflosen Bitternis.
Meine bitteren Nachtgedanken beschatten
eine schlaflose Träne deiner blumenen Erschöpfung.
Deine losen Schatten erschöpfen
die Gedankentränen meiner schlafverbitterten Blumennacht.

Nächtens denkst Du mit einer losen Träne
die erschöpften Traumblumen meines bitteren Schlafes.
Eine schlaflose Tränennacht gedenken die bitteren Schatten meines Traumes
deiner erschöpften Blumen.
Schattene Gedanken einer bitteren Blume
schöpfen in den Tränen einer Nacht des Traumes Schlaflosigkeit.

Schlaflose Blumen träumen im Schatten der tränenden Nacht
voller Erschöpfung Gedanken der Bitternis.

Blumiger Schlafbitter träumschattet tränengedanken nachtlose Erschöpflosigkeit.
Traumblumige tränenverschlafene gedankenschöpfende schattenlose Bitternis.
Tränenbittere schattenschöpfende traumgedankenlose Schlafblumenschöpfungsnacht.

*

 

Fern der Schuld

 

Fern der Schuld

Wir gingen nicht zweifelnd
den Pfad, den wir fanden,
verschworen geleitet
vom liebevollen Wald.

Wir dachten reine Dinge
als wir Hand in Hand
zwischen dunklen Blütenzweigen
und feuchtem Grase die Stelle fanden.

Schließlich doch starben wir
im weichen, süßen Moos,
so fern von aller Schuld –
so behütet, so bewahrt.

Und über uns, der hohe Baum,
neigte im Wind die Blätter
flüsterte die tausend Namen,
die ich dir ermattet gab.

*

Sollte es tatsächlich Sommer werden wollen?

Ausflug in die Vergangenheit

lakritze1

Immer wenn ich in besonders schlechter Stimmung bin oder sich meine Muse wieder einmal in den Untiefen meiner Seele versteckt hat, greife ich zu einer ganz besonderen Süßigkeit: den Lakritzschnecken. Gerade jetzt, wenn es durchgehend regnet, brauche ich diese Nascherei besonders oft. Mein Freund verschmäht diesen Süßkram. Er versteht nicht, warum ich gerade Lakritze so gerne mag. Erklären kann ich es nicht wirklich. Dennoch – und so lächerlich sich das anhört – fühle ich mich dieser Süßigkeit ganz besonders verbunden …

Es ist bereits dunkel draußen, wieder regnet es. Ich, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, sitze auf dem schweren Ledersofa meiner Großeltern. Die Wochenenden, die ich bei ihnen verbringen darf, gehören zu den glücklichsten Erinnerungen, die ich später an meine Kindheit haben werde.  Vorsichtig lege ich meine Hand auf das Fell des belgischen Schäferhundes, der sich neben mir breit gemacht hat. Die große, gelbe Hündin hebt ruckartig den Kopf und sieht mich aus ihren klugen Augen misstrauisch an. Wie immer, versuche ich nicht zurückzuzucken. Nach einem kurzen Augenblick befindet sie meine Berührung als tolerierbar und legt ihren Kopf mit einem leisen Seufzen wieder zurück auf die Sofalehne.

Mein Großvater liegt auf dem Zweiersofa, das im rechten Winkel zur großen Couch ausgerichtet ist und sieht zwischen seinen Füßen hindurch gebannt auf den Fernseher. In meinen Augen hat er unglaublich große Füße und immer stecken sie in den scheußlichen Wollsocken, die meine Urgroßmutter so liebend gern strickt und zu jedem Anlass verschenkt.

Opili (so dürfen wir ihn nennen und eine Zeit lang dachte ich sogar, das sei sein Name) ist ein großer Fußballfan. Er sieht sich jedes Spiel an, das von seiner Lieblingsmannschaft Werder Bremen im Fernsehen übertragen wird. Gerade läuft wieder so ein Spiel und weil ich eben nichts Besseres zu tun habe und das Buch mit den Zwergen dieses Wochenende auch schon durchgelesen habe, schaue ich mit ihm in die Röhre.

Auf dem Bauch meines Großvaters liegt eine Tüte mit Lakritzschnecken. Er isst sie bei jedem Spiel. Ich verstehe nicht, warum er diese Süßigkeit überhaupt mag. Aber er hat viele dieser merkwürdigen Vorlieben: Er isst zum Beispiel zu jeder warmen Mahlzeit Essiggurken aus dem Glas, steht nachts oft auf und macht sich Marmeladenbrote und hat mindestens schon ein Dutzend Mal mit dem Rauchen aufgehört, seit wir uns kennen. Und ich kenne ihn ja nun schon mein ganzes Leben lang.

In genau diesem Moment, als wüsste er, dass ich ihn schon seit einer Weile beobachte, hält er mir die Tüte mit den Naschereien hin. Er sieht mich nicht an und er spricht auch nicht. Bei Fußballspielen darf nicht gesprochen werden, sagt er immer. Das stört seine Konzentration. Schnell beeile ich mich eine Lakritzschnecke aus der Tüte zu fischen. Dabei passe ich mich auf, dass sich meine rechte Hand, die immer noch auf dem Fell der Hündin liegt, nicht bewegt. Sie ist für mich nicht ganz berechenbar und auch, wenn sie nicht beißt, so kann es gut sein, dass sie knurrt, wenn ihr etwas nicht passt. Das will ich nicht, denn erstens erschrecke ich mich dabei immer und zweitens möchte ich meinen Großvater nicht stören. Dieser zieht die Tüte wieder zurück und holt sich unter leisem Rascheln ebenfalls eine Süßigkeit heraus, steckt sie sich ganz in den Mund und kaut darauf herum.

Auch, wenn ich nicht verstehe, warum er Lakritze so gerne mag und sie für mich einfach komisch schmeckt, esse ich sie dennoch. Vorsichtig nehme ich das Ende zwischen die Zähne und rolle die Schnecke auf.

Ich werfe einen hektischen Blick in den Wintergarten. Dort sitzt, bei düsterem Licht und die Lesebrille auf der Nasenspitze, meine Großmutter und liest einen ihrer Heimatromane. Später, wenn ich vierzehn Jahre alt bin, werde ich selbst einmal diese Romane lesen. In dieser Zeit wird kein Buch vor mir sicher sein. Doch auch, wenn ich jeden der Romane meiner Großmutter gelesen haben werde, werde ich nicht verstehen, was sie daran findet. Wahrscheinlich kann ich einfach nicht so gut mit der Protagonistin Erika mitfühlen, die sich einfach nicht zwischen dem Jungbauern Franz und Großstädter Viktor entscheiden kann.

Meine Großmutter sieht nicht auf, als ich zu ihr schaue. Sie hat nicht mitbekommen, dass mein Großvater mir heute zum wiederholten Male eine Lakritzschnecke gegeben hat. Das ist gut so, denn sie sieht es nicht gern, wenn ich diese Süßigkeit esse. Das sei nichts für Kinder, sagt sie immer, und überhaupt sei es ganz schlecht für die Zähne und ich könnte danach ja sowieso nicht schlafen. Das stimmt so nicht, das kann ich bezeugen. Immer, wenn sie mich erwischt, muss ich nämlich ins Bett und ich habe nie Probleme mit dem einschlafen.

Diesmal erwischt sie mich nicht, sie ist zu gefesselt von Erika und ihren Entscheidungsschwierigkeiten, und diesmal muss ich auch nicht ins Bett.

Glücklich kaue ich auf meiner Lakritzschnecke herum, meine rechte Hand liegt immer noch auf dem warmen Fell der Hündin. Und mit einem Mal stelle ich fest, dass ich diese Nascherei sogar ganz gerne mag. Sie gibt mir ein Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit und in über dreiundzwanzig Jahren, wenn ich an meinem Schreibtisch sitzen werde und mich an die Zeit zurück erinnere, werde ich feststellen, dass dies immer noch der Fall ist.

Ein Rätsel will ich sein

Ich darf vorstellen:

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Dieser extrem schwer zu fotografierende, schwarz-weiße Fellball ist meine Katze. Wie bei vielen Beziehungen meines Lebens habe nicht ich mich für sie entschieden, sondern sie sich für mich – irgendwann im Winter vor zwei Jahren stand sie vor meiner Terrassentür und ist seitdem geblieben (Ihrem Vorbesitzer, dem sie auch ihren etwas unglücklich gewählten Namen verdankt, hat das nicht sehr gefallen und wir sprechen nicht mehr miteinander). Ich will ein andermal auf die komplizierten Lebensgemeinschaften von Autoren und ihren Katzen eingehen – tatsächlich haben überdurchschnittlich viele Schriftsteller diese eigenwilligen Samtpfoten in Untermiete. Mich interessiert gerade ein anderes Phänomen, dem ich einfach nicht auf die Schliche komme.

Die Rosmarinkatze hat einen beachtlichen Freiheitsdrang. Wenn Sie nicht bei mir ruht (zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag – am liebsten auf meinem Bürostuhl oder im Bett meines Freundes), dann streunert sie durch die Wiesen, Gärten und Ställe der Nachbarn und schleppt allerlei kleine nicht mehr allzu lebendige Dinge an. Kürzlich nun erwischte sie ein überraschendes und heftiges Gewitter. In der Folge kratzte eine nasse und frierende Katze an meiner Balkontür im ersten Stock. Obwohl die Katze nachts immer diesen Weg in die Wohnung sucht, weiß ich bis heute nicht, wie es ihr gelingt, auf diesen für einen Menschen ohne Leiter kaum erklimmbaren Balkon zu klettern. Ich habe sie jedenfalls noch nie dabei beobachtet.

Ich erbarmte mich also und rubbelte die Katze mit dem Handtuch, auf dem sie auf dem Foto im Bett meines Freundes liegt, trocken. Dabei fiel es mir wieder auf:

Katzen riechen nicht.

Wenn ich da an nasse kleine Pudel denke oder auch an große, trockene und sabbernde Bernhardiner, an Hausgetier, Geflügel, Kühe, Schweine gar, deren Geruch noch nach Jahren in den niederbayerischen Stallungen hängt, an Kaninchen, Mäuse und sogar Fische im Aquarium – alle riechen, viele stinken. Im Zoo – besonders auch die Groß- und Wildkatzen – dort  müffelt alles streng. Wir leben in einer Welt der Gerüche, in der der Duft einer Madeleine einen Roman von 5000 Seiten auslösen kann. Und der Mensch selbst? Morgens vor dem Aufstehen? Beweisführung beendet.

Warum stinkt also eine gewöhnliche Hauskatze nicht? Sie selbst ist vollkommen ohne Geruch (Was man leider von ihrem Katzenklo nicht sagen kann). Oh, meine Katze liebt Düfte, an Pflanzen und Blumen schnuppern ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, Rosmarin – wir wissen es – ihre Leidenschaft. Im Winter bringt sie an besonderen Tagen mit ihrem Fell etwas Kälte und Schneegeruch ins Haus, jetzt, im April, dünstet sie manchmal etwas Sonne aus – das ist aber auch schon alles.

Gibt es da draußen einen Biologen, der mir das erklären kann? Mein Freund hat auf meine Fragen nur mitleidig mit den Achseln gezuckt und etwas von „Anpassung“ und „Evolution“ gemurmelt, zwei Wörter, die ihm auf alles passen.

Aber vielleicht muss es Fragen geben, auf die es keine Antwort gibt. Die Rosmarinkatze jedenfalls – so habe ich den Eindruck – lächelt manchmal wissend im Schlaf.

Meine Erfüllung

Meine Erfüllung

So komm heran und gehe sachte.
Ich liege, erwarte
deiner Schritte sehnsuchtsvollen Klang.

Mir scheint, ich harrte ein Leben lang,
weiß nicht, war’s deins, war’s meins,
auf meines langen Schweigens Ernte.

Nun endlich haben wir uns gefunden,
doch ein Wort nur,
und der Zauber ist gebrochen.

So komm heran und beug dich nieder,
ganz nahe ist das Ziel.
Dein Atem scharf auf meiner Haut.

Wir,
wir werden Römer sein.

Ostergrüße aus der Ewigen Stadt

Liebe Freunde meines kleinen Blogs!

Ihr habt euch sicher schon gewundert, warum es gerade etwas ruhiger bei mir ist. Aber mein Freund hat mich mit einem spontanen Urlaub in Rom überrascht und gerade brechen wir vom Hotel auf, um auf dem Petersplatz den Urbi-et-Orbi-Segen des Papstes zu empfangen.

Hier ist es wundervoll! Es hat 24° und die Sonne lacht vom Himmel. Ich hoffe, bei euch ist der Ostermorgen genauso herrlich.

Viele Grüße und Frohe Ostern wünscht Euch

Die Rosmarinkatze

Das ist der Blick aus unserem Hotelzimmer von heute Nacht. Die Stadt liegt uns zu Füßen.

Veganes Chili sin Carne

Wer denkt, dass Vegetarier oder Veganer nicht deftig essen können, der irrt sich gewaltig. Das Rezept für mein Chili sin Carne (also gänzlich ohne Fleisch) ist sogar so herzhaft, dass es eine wahrhaftige Explosion der Geschmacksnerven auslöst.
Um nicht länger auf die Folter zu spannen, hier das (ungelogen) beste Rezept für Chili sin Carne:

 

Chili sin Carne 

Zutaten für mindestens 4 Personen

500g Tofu
1 große Zwiebel
2 große Karotten
1 rote Paprikaschote
Tomaten (etwa 6 – 8 Stück)
1 Dose gehackte oder passierte Tomaten
1 Dose Kidney-Bohnen
1 kl. Dose Mais
3 kl. Chili-Schoten
etwas Öl zum Anbraten
etwas Sojasauce
Tomatenmark (etwa eine walnussgroße Menge, bei Bedarf mehr)

Außerdem:
Meersalz (fein)
Pfeffer
Cayenne-Pfeffer
Paprikapulver
1 Esslöffel Kakao
½ Teelöffel Zimt
Chilipulver (nach Bedarf)
 

Die Zwiebel fein hacken und in einem großen Topf  mit etwas Öl andünsten, danach die gehackten Karotten hinzugeben und leicht andünsten. Das Tofu mit einer Gabel zerdrücken und ebenfalls im Topf mit einem Schuss Sojasauce (Achtung! Nicht jede Sojasauce ist vegan!) und dem Tomatenmark anbraten. Die Tomaten fein würfeln und mit den fein gehackten Chili-Schoten und den gehackten oder passierten Tomaten in den Topf geben. Die Bohnen und den Mais abtropfen lassen und mit der gestückelten Paprika (die gebe ich gerne ganz zum Schluss hinzu, dann hat sie wenigstens noch einen Hauch von Biss) zur Masse hinzugeben. Mit Meersalz, Pfeffer, Cayennepfeffer und Paprikapulver abschmecken. Für einen ganz besonderen Geschmack gebe ich einen Esslöffel Kakaopulver und einen halben Teelöffel Zimt hinzu. Das ist kein Muss, man kann auch weniger Kakao und Zimt verwenden, aber so schmeckt es nun mal am besten.
Auf kleinster Stufe mit geschlossenem Deckel etwa eine Stunde auf dem Herd durchziehen lassen. Vor dem servieren nochmals aufkochen und abschmecken. Wem es noch nicht scharf genug ist, der kann gern mit dem Chilipulver nachhelfen.
Dazu reiche ich gerne weißes Brot wie Baguette.

 

Leider habe ich zu diesem Rezept kein Bild. Ich kochte es am Wochenende für meinen Freund und ein befreundetes Pärchen und es kam so gut an, dass nachher nichts mehr übrig war und ich nicht mehr dazu kam, ein Foto zu schießen. Vielleicht reiche ich es bei Gelegenheit noch nach.